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Proserpina - Dante Gabriel Rossetti
Martin Mißfeldt, 08.12.06, 42 x 21 cm, Guasche auf Papier
Dante Gabriel Rossetti
"Proserpina"
1877
Öl auf Leinwand
120 x 58 cm
Privatsammlung, London
"Proserpina - Dante Gabriel Rossetti" ist ein Bild von Martin
Mißfeldt. "Macht der August uns heiß, so bringt der Winter viel Eis."
Die wunderbare Proserpina von Dante Gabriel Rossetti. Ihre feinen Gesichtszüge erinnern ein wenig an Liv Tyler, die kürzlich in Der Herr der Ringe glänzte. Die zarte, in sich gekehrte junge Frau hält einen aufgeschnittenen Granatapfel in den Händen. Wie kann sie auch ahnen, dass dieses Detail ihr weiteres Leben bestimmen wird.
Proserpina (lat. Persephone) war laut griechischer Mythologie die Tochter von Demeter, der Göttin der Natur. Eines Tages wird Proserpina von Hades, dem Gott der gleichnamigen Unterwelt entführt. Der arme Hades leidet und langweilt sich zwischen all den Toten. Also raubt er sich ein junges, frische und attraktives Mädchen. Solches war in der griechischen Götterwelt durchaus nicht unüblich. Aber Hades hat nicht mit der konsequenten Durchsetzungskraft der Demeter gerechnet.
Demeter begibt sich also auf die Suche nach ihrer Tochter. Monatelang, jahrelang. Natürlich ist sie tief besorgt und vernachlässigt ihre Pflichten. Leider nur war sie für die Natur, für das Wetter und damit auch für die Ernte zuständig. Das Land verödet also, die Ernten missraten. Die Menschen darben, das Volk leidet. Schließlich findet sie heraus, dass Proserpina in der Unterwelt gefangen gehalten wird.
Voller Zorn stellt sie ihren Bruder Zeus zur Rede, der offensichtlich von dem Raub weis. Aber da er auch mit allen Wasser gewaschen ist, hält er zu seinem Bruder und will ihm diese kleine Abwechslung gönnen. Demeter ist außer sich und droht damit, die Erde und die Menschen verenden zu lassen. Schließlich schickt Zeus seinen Mann für alle Fälle, den Götterboten Hermes in die Unterwelt. Er soll prüfen, ob Proserpina zurückgeholt werden kann. Es ist nämlich ein ehernes Gesetz, das derjenige, der etwas aus dem Reich der Unterwelt gegessen hat, für immer im Reich des Hades bleiben muss.
Hermes fragt also Proserpina, ob sie etwas gegessen habe, was sie strickt verneint. Schwupps, schnappt sich Hermes Proserpina, verabschiedet sich von dem verdutzten Hades und bringt sie zurück zu Demeter. Das Wiedersehensglück ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn Hades fordert Proserpina zurück: sein Diener Askalaphos hat beobachtet, wie Proserpina beim Ausdrücken eines Granatapfels einige Körnchen verschluckt hat.
Der abschließende, chaotische Prozess endet mit einem Kompromiss: Proserpina muss vier Monate im Jahr in die Unterwelt, in dieser Zeit trägt Demeter Trauer und die Erde verdorrt und erstarrt. Aber wenn sie zurück kommt, blüht alles wieder auf und gewinnt neues Leben: es wird Frühling!
Zunächst suche ich mir ein geeignetes Motiv und versuche, die Komposition und Malweise zu verstehen. In kleinen Scribble-Zeichnungen überlege ich dann, wie der Hals wohl am besten zu organisieren wäre. Anschließend nehme ich mir ein Blatt Papier und beginne mit der Vorzeichnung (mit Bleistift). Manchmal (bei schwierigen Bildern) reisse ich die Vorlage aus dem Buch, das ich nutze und pause das Bild in groben Umrißlinien an der Fensterscheibe ab. Als nächstes folgt die Untermalung. Mit einem hellen Ocker, manchmal bis hin zu einem dunklen Braun pinsel ich das komplette Blatt mit einem 20er Haarpinsel zu. Ich nutze in aller Regel Rotmarder-Pinsel, die nicht nur schön teuer sind, sondern auch schön laufen.
Im folgenden zeige ich die Entwicklung eines Giraffen-Cartoons anhand der Proserpina, die ich während des Arbeitsprozesses mehrfach eingescannt habe (ich scanne die Bilder grundsätzlich so, dass ich sie 1:1 mit 300 dpi Auflösung vorliegen habe).
http://www.dynoxicon.de/img/working/dante_gabriel_rossetti_proserpina_01.jpg
Hier mit Graubraun. Anschließend ist der Schatten des Inkarnats (der Haut), die Helligkeit des Fensters sowie die Lichter des Gewandes darübergemalt.
Die Untermalung dient dazu, zunächst einen Mittelton im Bild zu haben, von dem aus dann in Richtung hell bzw. in Richtung dunkel weitergearbeitet wird.
Die anschließende Vorgehensweise ist in aller Regel wie folgt:
Wenn die Farben deckend sein sollen, arbeite ich immer von dunkel nach hell. Nichts ist schlimmer, als eine Spur Deckweiß in einer Fläche zu haben, die tief dunkel sein soll.
Wenn die Farben jedoch nur lasierend aufgetragen werden sollen, arbeite ich von hell nach dunkel: also in aller Regel beginnend mit gelb über oragnge/ocker hin über grün oder rot bis hin zu blau (bzw. je nach Helligkeit der Farbwerte). Im Bild der Proserpina sollten alle Flächen deckend sein. Anschließend wird das Blatt 24 Stunden gepresst und getrocknet: Es wird zwischen zwei trockene, saubere Papiere gelegt, in Zeitungspapier gehüllt und auf einem Tisch mit einer festen Holz- oder Glasplatte belegt. Diese Platte wird dann mit Gewichten beschwert (ca. 20 kg).
http://www.dynoxicon.de/img/working/dante_gabriel_rossetti_proserpina_02.jpg
In diesem Stadium ist zunächst der gesamte Hintergrund nocheinmal mit einem dunklen Braun übermalt worden. Die Hautpartiet eine weitere Farben bekommen, ebenso das Gewand. Die Farbflächen sitzen noch ziemlich grobschlächtig nebeneinander. Wichtig ist, genügend Farbe aus dem Kasten (ich nutze den Aquarellkasten von Schminke) auf das Papier zu bringen. Wenn man zu wenig Farbe nimmt, löst sich bei der anschließenden Vermischung der Farbflächen relativ leicht das Papier auf. Die Folge sind kleine Papierfetzen, die sich aufrollen und wie Schmirgelsand auf dem Blatt kleben. Die Pinselstärke für diesen Arbeitsschritt beträgt zwischen 3er und 7er. Erneut wird das Blatt nun getrocknet und gepresst.
http://www.dynoxicon.de/img/working/dante_gabriel_rossetti_proserpina_03.jpg
In dieser Arbeitsphase werden die Hell-Dunkel-Flächen vorbereitet: Um eine möglichst satte und tief-dunkle Fläche zu erhalten, nehme ich schwarz bestenfalls als Beimischung. Die richtig dunklen Bereiche erzeuge ich durch überlagerung von Magenta-Rot, Baumgrün (oder so) und Ultramarin-Blau.
In dem Bild der Proserpina soll der dunkle Hintergrund am Ende warm und heimelig wirken (eben so ein bissel Prinzessinen-Märchenschloss). Daher wird zunächst on the fly Grün und Blau aufgetragen, das auf dem Papier gemischt wird.
über helle Farben werden nun auch die ersten Details vorbereitet: Die Hände, das Gesicht, der Efeu links. Das Gewand hat seine Naturferabe bekommen, damit es im folgenden aus dem Helldunkel heraus modelliert werden kann. Anschließend wird das Ding wieder gepresst.
http://www.dynoxicon.de/img/working/dante_gabriel_rossetti_proserpina_04.jpg
Die Flächen sind mit Farbe bedeckt. Nun kann man mit einem feinen Harrpinsel, der nur mit Wasser benetzt ist, die Farben auf demBlatt anfeuchten und vermischen. Wichtig ist, bei diesem Vorgang immer wieder das Wasserglas zu säubern und neues wasser zu holen, da es sonst leicht zu einem Vergrauen kommen kann.
Aber auch so wird es immer etwas gräulich. Die einzelnen Farben verlieren durch die Mischung natürlich an Leuchtkraft. Daher wird anschließend auf die Partien, die am Ende leuchtend farbig sein sollen, nohmals vorsichtig lasierend ein Farbton darübergelegt. Detail hier...
Auch die dunklen Flächen sind hier mit einer Mischung auf dem Papier zwischen Magenta-Rot und Braunem Ocker nochmals übermalt und haben nun die warme Tiefe, die sie haben sollen.
http://www.dynoxicon.de/0589images/dante_gabriel_rossetti_proserpina.jpg
Sogut - soweit. Nun geht es an die Details. Und ab jetzt kann man sich natürlich Wochen mit so einem Dingen beschäftigen. Ich fange immer mit den schwierigsten an, und mache nur die wichtigsten. Hier Efeu, Hände und Gesicht. An dem Umhang hab ich viel zu lange rumgefummelt. Das wäre gar nicht nötig gewesen. Egal. Na, und dann kommt seit einiger Zeit immer noch eine Bauernweisheit hinzu. Mein Opa hatte immer einen passenden Spruch auf den Lippen, wenns ums Wetter ging. Warum? Nun ja, wir leben in einer Zeit, in der man traditionelle Methoden und Werte sofort über Bord wirft, wenn etwas neues kommt. Bedenkenlos. Am Wetter sieht man, dass die Bedürfnisse, Sorgen und was auch immer im Grunde dieselben sind. Warum nicht mal wieder einer guten alten, über Jahrhunderte tradierten Bauernweisheit trauen? Oder zumindest mal darüber nachdenken?...
So, das ist alles. Schon fertig. Da die Bilder, wie beschrieben, zwischendurch immer für einige Zeit getrocknet und gepresst werden müssen, habe ich in der Regel zwei bis drei gleichzeitig in Arbeit. Viel Vergnügen beim Selberprobieren. Vielleicht als Nashörner???"
Martin Mißfeldt, Dezember 2006